COVID-19: Aus der Krise einen Nutzen ziehen

5 Tipps, wie Bauunternehmen gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen können

Hamy Albath - 16.06.2020
Ein Kran auf einer Baustelle während der Corona Pandemie vor einem wolkig-orangenen Himmel

Überblick

  • Aktuelle Stimmungslage von Bauunternehmen zur Corona-Situation
  • Die Auswirkungen von Covid-19 auf das BIP
  • Die 5 Entwicklungspotenziale der Corona-Krise

Die Corona-Krise hat die ganze Welt unerwartet und vor allem größtenteils unvorbereitet getroffen. Bisher gab es weltweit sieben Millionen und in Deutschland 186.000 bestätigte infizierte Menschen. Die Infektionsfälle gehen derzeit zurück, aber für Regierungen und Unternehmen bleibt immer noch viel zu tun, um zur Normalität zurückzukehren und die Schäden, die das Virus hinterlassen hat, aufzuräumen.

Für die Baubranche lief und läuft es im Vergleich zu anderen Wirtschaftssektoren trotz Corona-Krise weiterhin gut, aber natürlich machen sich auch hier die Auswirkungen bemerkbar: in vielen Ländern wurden Baustellen geschlossen und auch die Länder, in denen weitergebaut werden konnte, wurden vor neuen Herausforderungen gestellt. Es kam zu Problemen, wie Lieferengpässe und Arbeitskräftemangel aufgrund von geschlossenen Grenzen und Krankmeldungen.

Aktuelle Stimmungslage von Bauunternehmen zur Corona-Situation

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) hat eine Umfrage zur aktuellen Stimmungslage von Bauunternehmen zur Corona-Situation durchgeführt.

Abbildung 1: Umfrage zu den Auswirkungen der Corona-Krise in %

Diagramm einer Umfrage unter Bauunternehmen zu den Auswirkungen der Corona-Krise in %

Cosuno Infografik – Quelle: HDB

  • 60% der Unternehmen haben angegeben durch die Folgen der Corona-Krise in ihrer Leistungserbringung behindert zu sein
  • 50% spüren einen Nachfragerückgang und damit verbunden weniger Ausschreibungen
  • 47% sind durch Hygienemaßnahmen in ihrer Arbeit eingeschränkt
  • 49% meldeten, dass ihnen durch die Corona-Krise Mehrkosten bis zu 2,5% der Auftragssumme entstanden sind
  • 37% erwarten einen Umsatzrückgang von mehr als 5% im Vergleich zum Vorjahr 2019

Die Auswirkungen von Covid-19 auf das BIP 

BIP und Bauinvestitionen

Wenn die Wirtschaft wächst, bedeutet das im Allgemeinen mehr Wohlstand und mehr neue Arbeitsplätze. Dieses Wachstum wird gemessen, indem man die prozentuale Veränderung des Bruttoinlandsprodukts oder des Wertes der produzierten Güter und Dienstleistungen betrachtet.

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass Bauinvestitionen eng mit dem BIP zusammenhängen und somit von der volkswirtschaftlichen Gesamtentwicklung beeinflusst werden (Abb.2). Eine verringerte Wirtschaftstätigkeit führt zu einer geringeren Nachfrage und demnach auch zu sinkenden Bauinvestitionen. Einkommensverluste und mangelndes Vertrauen seitens der Verbraucher, aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Lage, wirken sich zusätzlich negativ auf die Immobiliennachfrage aus, was die Investitionen weiter drückt.

Abbildung 2:  Bruttoinlandsprodukt und Bauinvestitionen, preisbereinigter Kettenindex

Diagramm, welches Bruttoinlandsprodukt und Bauinvestitionen vergleicht

Cosuno Infografik – Quelle: Statisches Bundesamt

Zwei mögliche Zukunftsszenarien 

Die im Folgenden dargestellten Szenarien veranschaulichen die potenziellen globalen wirtschaftlichen Auswirkungen, die aus dem COVID-19 Ausbruch in China folgen und die Risiken, die er auf andere Volkswirtschaften überträgt. Ausgehend von der Annahme, dass die Epidemie in China im ersten Quartal 2020 ihren Höhepunkt erreicht und Ausbrüche in andere Länder sich zukünftig als mild und gedämpft erweisen, könnte das globale Wachstum in diesem Jahr um nur etwa 0,5% sinken. Die Prognosen zur Entwicklung des BIP schwanken aber sehr stark, je nachdem welche Statistik betrachtet wird. Beispielsweise geht der Internationale Währungsfond im Gegensatz zum OECD davon aus, dass das globale Wachstum sogar um 7% einbrechen wird. In unserer Analyse richten wir uns nach den Zahlen des OECD. Dementsprechend wird das jährliche globale BIP-Wachstum von den bereits schwachen 2,9 % im Jahr 2019 auf 2,4 % im Jahr 2020 insgesamt zurückgehen. In diesem ersten Szenario geht das OECD davon aus, dass die deutsche Wirtschaft um nur 0,3%, statt einem ursprünglichen erwarteten Wachstum von 0,8%, wachsen wird und damit noch mit einem blauen Auge aus der Corona-Krise davon kommen wird.

Im zweiten Szenario prognostiziert das OECD eine deutlich schlechtere Entwicklung der Corona-Krise auf die Wirtschaft. Sollten sich die Ausbrüche im asiatisch-pazifischen Raum oder in den Volkswirtschaften der nördlichen Hemisphäre weiter ausbreiten, werden die negativen Auswirkungen auf das globale Wachstum und die Industrie schlimmer und tiefgreifender sein. Das globale BIP könnte dann im Jahr 2020 um 1,5% zurückgehen. Das deutsche BIP würde in diesem Szenario um 0,3% sinken und Deutschland damit in eine leichte Rezession rutschen.

Es gibt nach wie vor große Unsicherheiten darüber, welche Auswirkungen das Virus genau auf unsere Volkswirtschaften haben wird. Statistiken deuten darauf hin, dass die Wirtschaft Anfang 2021 wieder wachsen wird, wenn das Virus innerhalb der nächsten Monate weiter eingedämmt und die richtigen wirtschaftspolitischen Maßnahmen ergriffen werden. Längerfristige Lockdowns und andere strenge Beschränkungen werden jedoch zu einem schweren und anhaltenden Wirtschaftsabschwung führen.

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Ein Blick in die Vergangenheit: Finanzkrise 2008

In Zeiten, in denen viele Menschen und vor allem Unternehmen verunsichert darüber sind wie es zukünftig weitergehen wird, blickt man gerne auf Altbekanntes. Die Corona-Krise erinnert in vielerlei Hinsicht an die Finanzkrise 2008: Der Zusammenbruch der Bank Lehman Brothers verursachte im September 2008 die Finanzkrise und hätte beinahe das weltweite Finanzsystem zum Einsturz gebracht. Sie führte zu sinkenden Immobilienpreisen und einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit. Der Aktienmarkt stürzte ab, Regierungen versuchten mit Finanzspritzen die entstandenen ökonomischen Schäden abzufedern und eine Rezession zu verhindern. Diese beiden Krisen sind natürlich nur bedingt miteinander vergleichbar, da die aktuelle Krise nicht in erster Linie mit Immobilien zu tun hat, sondern durch politische Regulierungen hervorgerufen wurde, um die Pandemie einzudämmen.

Ein Blick auf Abb. 3 zeigt, dass der Umsatz im europäischen Bausektor bis 2006 rasant angewachsen ist, sich aber dann ab 2008 die Auswirkungen der Finanzkrise bemerkbar machen und die Umsätze eingebrochen sind. Ab 2009 hat sich die Baubranche aber wieder sehr schnell von der Einbrüchen erholt.

Abbildung 3: Neue Bauten nach Bauarten, Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %

Diagramm, welches neue Bauten nach Bauarten und deren Veränderungen gegenüber dem Vorjahr in % vergleicht

Cosuno Infografik – Quelle: destatis

Auch in der aktuellen Krise prognostizieren Wirtschaftsforschungsinstitute der Baubranche, trotz der an sich wirtschaftlich angeschlagenen Lage weltweit, eine rosige Zukunft. Die Bauwirtschaft soll demnach um rund 3% und vor allem der Wohnungsbau soll bis 2021 dynamisch weiter zulegen.

„Die Bauwirtschaft zählt weiterhin zu den wesentlichen Stützen der Konjunktur in Deutschland.“ 

– Dr. Claus Michelsen, Abteilungsleiter Konjunkturpolitik DIW

Die 5 Entwicklungspotentiale der Corona-Krise

Während einer Krise sollte man immer ein Auge darauf haben, was nach der Krise passiert. Sie kann erstaunliche Möglichkeiten bieten zu wachsen und zu lernen. Viele Unternehmen werden nach der Krise finanziell schlechter dastehen als davor. Unternehmen, die in neue Bauverfahren und Arbeitsmethoden investieren und Produkte oder Dienstleistungen so kosteneffektiv wie möglich, unter Beibehaltung der Qualität, liefern, werden profitieren.

5 Tipps, wie Ihr Unternehmen gestärkt aus der Pandemie hervorgehen und positive Veränderungen anstoßen kann:

1. Neue Technologien 

Unternehmen müssen ihre Arbeitsweisen verändern. Führende Bauunternehmen, Architekten, Designer und Ingenieure setzen jetzt schon auf digitale Kollaborationswerkzeuge wie Building Information Modeling (BIM) oder cloudbasierte Softwares wie Cosuno, um Bauprojekte besser zu planen, die Ausschreibung und Vergabe von Gewerken zu optimieren, Fortschritte in Echtzeit zu verfolgen, Baumaterialien zu koordinieren oder zur übersichtlichen Verwaltung von Kosten. Die Nachfrage nach cloudbasierten, digitalen Tools, die nachweislich die Produktivität steigern, wird deutlich steigen.

2. Personal schulen

Investieren Sie in Ihre Mitarbeiter! Digitalisierung funktioniert nur, wenn es entsprechend geschultes Personal gibt und sich niemand Sorgen hinsichtlich seiner Arbeitsplatzsicherheit machen muss. Neue Technologien sollen keine Arbeitsplätze nehmen, sondern Ihnen und Ihren Mitarbeitern dabei helfen besser zu bauen – das heißt Bauprozesse effektiver und kostengünstiger durchzuführen.

3. Optimierung der Lieferketten

Durch Lieferengpässe und fehlenden Baumaterialien kam es auf vielen Baustellen zu Verzögerungen. Bauunternehmen sollten deshalb ihre Lieferketten optimieren, um auch in Zukunft für Probleme gerüstet zu sein und jederzeit bauen zu können. Lagerbestände sollten ausgebaut, wichtige Baumaterialien gesichert, alternative Lieferanten gesucht und Ersatzvertriebskanäle identifiziert werden. Besonders die frühzeitige Stärkung der regionalen Beziehungen zu Baustofflieferanten wird sich auszahlen, sollte es zu einer zweite Corona-Welle mit Grenzschließungen kommen.

 4. Offsite Konstruktion

Identifizieren Sie Möglichkeiten zur Verlagerung des Bauprozesses außerhalb des Standorts, wo das Gebäude eigentlich errichtet werden soll. Vorteile sind, dass in einer kontrollierten Umgebung gebaut werden kann und der Bauablauf beispielsweise nicht durch schlechte Wetterbedingungen verzögert wird. Darüber hinaus kann externe Konstruktion dabei helfen den ökologischen Fußabdruck der Bauindustrie auf die Umwelt zu verringern. Beispielsweise entfallen lange Transportwege für Materiallieferungen, was den CO2 Ausstoß erheblich reduzieren würde. Das alleine wäre schon eine enorme Entlastung für die Umwelt, wenn wir bedenken, dass die Bauindustrie für 36% des weltweiten Energieverbrauchs und 40% der CO2-Emissionen verantwortlich ist.

5. Nachhaltigkeit

Investieren Sie in nachhaltige Baumethoden. Unsere Gesellschaft wandelt sich und immer mehr Kunden wollen umweltbewusst leben. Auch Regierungen fördern nachhaltige Baumethoden durch direkte öffentliche Investitionen oder steuerliche Vergünstigungen. Der Wunsch nach einem “grünen” Lebensstil wird immer lauter. Es wird zukünftig immer größere Nachfragen hin zu nachhaltigen Gebäuden und Gemeinschaften geben. Bauen Sie beispielsweise energieeffiziente Gebäude aus recycelten und nachhaltigen Materialien und integrieren Sie eine ökologische Stromerzeugung.

Fazit

Schon vor der Corona-Krise gab es genügend Probleme in der Baubranche. Stagnierende Produktivität, ein geringer Digitalisierungsgrad und sinkende Rentabilität verfolgen die Branche seit Jahren. Eine Kombination aus immer strengeren Nachhaltigkeitsanforderungen, steigendem Kostendruck, Fachkräftemangel, neuen Materialien und Produktionsansätzen und digitalen Tools zwingt Bauunternehmen zur Innovation. In den USA ist der Marktanteil von modular gebauten Häusern von 2015 bis 2018 um 50% gewachsen.

Deutsche Bauunternehmen beginnen gerade erst damit neue Bauansätze und moderne Cloudsoftware einzusetzen. Hier werden sich die Unternehmen an der Spitze absetzen können, die diese Umstellung frühzeitig vorantreiben, denn dadurch wird die Wettbewerbsfähigkeit und die Kundenzufriedenheit gesteigert.

Die Corona-Krise könnte der finale Anstoß sein, den viele Unternehmen gebraucht haben, um den Sprung in ein neues Baujahrhundert zu schaffen.

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