Interview-Reihe: Ausschreibung 4.0 Gebr. Neumann GmbH Teil II

Ausschreibung 4.0 ist eine Reihe von Interviews mit Experten aus der Baubranche zum Thema Einkauf und digitale Transformation.

Jessy Reichardt - 23.04.2021
Gebr. Neumann Interview

 

Im ersten Teil des Interviews haben wir mit Projektmitarbeiter Andreas Paul unter anderem über seinen spannenden Lebenslauf gesprochen, wie die Gebr. Neumann auf Cosuno aufmerksam und die Software im Unternehmen aufgenommen wurde. Im zweiten Teil des Interviews befragen wir ihn darüber, wie das Bauunternehmen die Cosuno Software für sich nutzt und welche Einstellung Herr Paul zum Thema Einkauf 4.0 vertritt.

  • Andreas Paul

    Leiter der Einkaufsabteilung bei Gebr. Neumann GmbH

 

Cosuno: Inwiefern hat sich die Zusammenarbeit mit Ihren Kollegen geändert, seitdem Sie die Software nutzen? 

Paul: Wir arbeiten schon länger an vielen Stellen digital und papierlos. Durch Cosuno haben wir nun die Möglichkeit ohne Aufwand auf alle wichtigen Daten jederzeit zugreifen zu können. Gerade in Zeiten von Homeoffice können wir zeitgleich an verschiedenen Dokumenten arbeiten, das ermöglicht natürlich eine bessere und transparente Kollaboration zwischen allen am Bauprojekt Beteiligten. Letzteres hat sich auch durch die Notizfunktion bei Cosuno verbessert. Wir wissen jetzt genau, ob ein Kollege/-in noch einen Nachunternehmer angerufen oder kontaktiert hat und jeder kann den aktuellen Stand des Kontaktverlaufs einsehen. Durch Cosuno wird alles automatisch aktuell gehalten.

Cosuno: Wie viel Digitalisierung und Automatisierung ist Ihrer Meinung nach im ganzen Lieferprozess vorstellbar? Welche Rolle spielt dann noch der persönliche Kontakt?

Paul: Ich denke, dass es die vollständige Digitalisierung und Automatisierung im Bau nicht geben wird. Dafür sind Projekte einfach zu individuell. Meiner Meinung nach könnten über 70% der Prozesse digitalisiert werden. Wir verbringen viel Zeit mit Klärungs-/ Abstimmungsgesprächen und Dokumentationsaufgaben. Diese Prozesse gilt es durch Einsatz Digitaler-Tools zu digitalisieren. Über die Tools muss der vollständige Austausch erfolgen auch ist BIM ein Stichwort. Natürlich ist der Digitalisierungs- bzw. Automatisierungsgrad von den jeweiligen Gewerken abhängig. Trotz der Digitalisierung spielt der persönliche Kontakt nach wie vor eine ganz große Rolle, denn wir möchten mit unserem Nachunternehmer weiterhin auf persönlicher und vertrauensvoller Ebene kommunizieren. In der Baubranche sind persönliche Kontakte sehr wichtig. Wenn wir Nachunternehmen eine Anfrage senden, mit denen wir vorher nicht einmal persönlich in Kontakt standen, ist die Rücklaufquote entsprechend schlechter. 

Cosuno: Welche Herausforderungen muss ein moderner Einkäufer heutzutage bewältigen? 

Paul: Da unser Unternehmen viele Tätigkeitsbereiche abdeckt, muss sich ein Einkäufer mit den verschiedenen Themen und Gewerken inhaltlich auseinandersetzen. Der Umfang der Zuständigkeit im Einkauf wächst stetig und das kann schon eine große Herausforderung sein. Bisher lagen die Hauptaufgaben eines Einkäufers bei der Ausschreibung, Anfrage, und Vertragsverhandlung in Bezug auf ein bestimmtes Bauprojekt mit den Nachunternehmern. Inzwischen sind nicht nur die Verträge und Gewerke deutlich komplexer und umfangreicher geworden, sondern auch die Anforderungen hinsichtlich der Digitalisierung. 

Ausschreibungsmanagement digitalisieren

 

Cosuno: Welche Schwächen müssen künftig im Einkauf behoben werden? Welche aktuellen Krisen, wie zum Beispiel Covid-19, beeinflussen den Einkauf? 

Paul: Die aktuelle Krise verursacht zum Teil Engpässe in der Materiallieferung, da einige Produzenten mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen haben. Beim Einsatz von ausländischen Nachunternehmern kann es zu Einreisebeschränkungen kommen. Insgesamt ist die Baubranche bisher vergleichsweise wenig von der Krise betroffen und weiterhin gut aufgestellt. In unseren Bereichen gibt es aktuell keine gravierenden Verzögerungen, die zu schlimmen Auswirkungen geführt haben. Bisher konnten wir alle Materialien beschaffen und die Nachunternehmer weiterhin koordinieren. Zukünftig darf man nicht in alte Muster zurückfallen, sondern muss für die Digitalisierung offen sein. Der Satz “Das machen wir schon immer so!” muss aus den Köpfen verschwinden – dafür muss das Motto “Wir blicken in eine digitale Zukunft!” verinnerlicht werden. Es wird besonders wichtig sein, Prozesse im Unternehmen ständig zu hinterfragen und anzupassen. Selbstreflexion in Bezug auf sich selbst und das Unternehmen ist hier das entscheidende Stichwort. Um zukünftig am Markt Bestand zu haben, ist der Weg hinsichtlich Digitalisierung der richtige!

Cosuno: “Der Einkauf wird in Zukunft vollkommen anders aussehen. Es gibt keinen traditionellen Einkäufer mehr.” Was sagen Sie zu diesem Zitat und gibt es überhaupt das Bild eines traditionellen Einkäufers? 

Paul: Dem Zitat stimme ich zu. Ich denke nicht, dass der Beruf des Einkäufers wegfallen wird. Ich glaube aber schon, dass sich die Herausforderungen und Aufgaben stark verschieben werden. Mehr Automatisierung, mehr Transparenz, weniger händische Prozesse und damit mehr Zeit für das Wesentliche: Die effiziente Kommunikation auf vertrauter Basis mit den Nachunternehmern. 

Cosuno: Welche sind die wichtigsten Voraussetzungen, um den Einkauf 4.0 umsetzen zu können?  

Paul: Man muss neben einen guten Nachunternehmer- und Lieferantenstamm eine faire und vertraute Basis einer Zusammenarbeit finden. Es ist essenziell, dass man ein Projekt als ein gemeinsames Ziel versteht. Dies gilt auch für den Einkauf 4.0. Alle an der Wertschöpfungskette beteiligten Unternehmen müssen gemeinsam auf vernetzte Systeme bzw. Tools setzen um den Informations-/Kommunikationsaustausch zu optimieren. Man muss dem Prozess der Digitalisierung offen gegenüber sein. Unternehmen müssen sich bewusst werden, dass eine digitale Umstrukturierung neben dem Aufwand auch eine Chance bedeutet. 

Cosuno: Herr Paul, vielen Dank für das Interview und für Ihre Zeit. Wir freuen uns auf eine weitere Zusammenarbeit mit Gebr. Neumann. 

Ersten Teil des Interviews verpasst? Hier geht es zum Teil I des Cosuno-Interviews mit Gebr. Neumann und Andreas Paul.

Zeit und Aufwand im Einkauf sparen