Interview-Reihe: Ausschreibung 4.0 Lindemann Gruppe Teil II

“Ausschreibung 4.0” ist eine Reihe von Interviews mit Experten aus der Baubranche zum Thema Einkauf und digitale Transformation und wie sich beides miteinander verbinden lässt, um höhere Rücklaufquoten, effiziente Ausschreibungsprozesse und zufriedene Nachunternehmer zu erreichen.

Hamy Albath - 05.10.2020

 

 

Im ersten Teil des Interviews haben wir mit Dennis Beckmann, Einkaufsleiter und Prokurist bei der Lindemann Gruppe, über seine Anfänge bei Lindemann, den Herausforderungen mittelständischer Bauunternehmen und warum er nach Möglichkeiten suchte, um den Ausschreibungs- und Vergabeprozess zu digitalisieren, gesprochen. Im zweiten Teil des Interviews sprechen wir mit ihm darüber, welche Vorteile Cloud-basierte Softwarelösungen, wie Cosuno, im Einkauf mit sich bringen, wo die Lindemann Gruppe in den nächsten 10 Jahren stehen wird und warum Digitalisierung und Innovation zum Teil der Bau-DNA werden muss.

 

Ausschreibung und Vergabe digitalisieren

  • Dennis Beckmann

    Einkaufsleiter und Prokurist

 

Cosuno: Warum haben Sie sich dazu entschieden unsere Software zu nutzen? 

Beckmann: Die meisten Software-Programme sind kostenintensiv und haben zudem viel zu viele Funktionen, die im Baualltag nicht genutzt werden. Getreu dem Motto “Mit Kanonen auf Spatzen schießen”. Cosuno bietet dagegen eine Lösung mit dem Fokus auf einen klar definierten Bereich: den Einkauf von Nachunternehmerleistungen! Der Einkauf kostete uns enorm viel Zeit. Hunderte von Nachunternehmern mussten mit sich ständig ändernden Plänen versorgt, Preise verglichen und Bescheinigungen angefragt und aktualisiert werden. Diese Prozesse, die sonst über BCC und E-Mail Verteiler laufen, wollten wir optimieren und sind deshalb eine Partnerschaft mit Cosuno eingegangen. 

Cosuno: Wie haben Ihre älteren Kollegen darauf reagiert, als Sie die Digitalisierung bei Lindemann vorantreiben wollten?

Beckmann: Die Baubranche ist ja eher konservativ und zurückhaltend, was die Digitalisierung betrifft. Für einige meiner Kollegen stellte sich halt die Frage, warum wir das digital machen müssen. Wir machen das per Hand und es läuft doch! Das mag natürlich stimmen, aber mit der Digitalisierung können wir enorm viel Zeit sparen. Jeder Einkaufsprozess, der automatisiert wird, spart mir und meinem Team Zeit, die wir für wichtigere Aufgaben im Einkauf nutzen können. Und das möchte ich noch einmal ausdrücklich betonen. Die Digitalisierung soll keine Arbeitsplätze wegnehmen, sondern dafür sorgen, dass Arbeitsressourcen effizienter genutzt werden können.

Cosuno: Welchen Mehrwert haben Sie bisher aus der Nutzung unserer Software gezogen?

Beckmann: Cosuno bündelt den kompletten Ausschreibungsprozess und sorgt durch Automatisierung dafür das erheblich weniger nachgetragen werden muss. Wir können beispielsweise auf einen Blick sehen, ob die NUs unsere Einladung zur Angebotsabgabe erhalten haben, ob sie beabsichtigen ein Angebot abzugeben oder ob sie noch unentschlossen sind. Der Vorteil für uns ist, dass wir nicht mehr passiv abwarten müssen, sondern aktiv agieren können. Wir können lange vor dem Submissionsdatum einschätzen, welche Angebotsquote pro Gewerk erreicht wird und wenn nötig gegensteuern. Vorher mussten wir darauf warten das Angebote abgegeben werden und es ist ja nicht so, dass gleich am ersten Tag die ganzen Angebote reinkommen, sondern eher am letzten Tag. Jetzt können wir sofort sehen da haben sieben Gewerke zugesagt und einer hat abgesagt. Seitdem wir mit Cosuno zusammen arbeiten haben wir eine Rücklaufquote von 70 Prozent. Eine weitere Funktion, die uns den Einkaufsprozess erleichterte war, dass wir alle wichtigen und aktuellen Bescheinigungen an einem Ort digital einsehen konnten. Das war so vorher nicht möglich. Die Suche und das Anfragen nach den richtigen Bescheinigungen führte zu enorm hohen Prozesskosten. Mit der Software können sämtliche Bescheinigungen mit einem Klick bei den entsprechenden Nachunternehmern angefragt werden, die Prüfung der Aktualität wird automatisch durchgeführt und wir erhalten eine Erinnerung, bevor die Bescheinigungen ablaufen. Für uns wurde damit die optimale Ausgangssituation für den operativen Bauprozess geschaffen.

Die Fortschritte waren bemerkenswert: zuverlässige Kostenplanung, Zeiteinsparungen von 60 Prozent, immer genügend Angebote auf unseren Ausschreibungen, mehr Termintreue, höhere Margen und eine gesteigerte Zufriedenheit unserer Nachunternehmer. 

 

Ausschreibung und Vergabe digitalisieren

 

Cosuno: Inwiefern eine gesteigerte Zufriedenheit Ihrer Nachunternehmer?

Beckmann: Nehmen wir das Beispiel mit den Bescheinigungen von gerade. Für unsere Nachunternehmer hat es den Vorteil, dass sie alle Bescheinigungen nur einmal hochladen müssen und anschließend mit nur einem Klick mit allen Vertragspartnern teilen können. Das erspart ihnen sehr viel Zeit. Das größte Problem von Nachunternehmern ist, dass sie zu viele Aufträge und zu wenig Zeit und Personal haben. Cosuno bietet eine einheitliche Austauschmöglichkeit für beide Seiten, so dass Bauunternehmen sich auf das Wesentliche konzentrieren können: Bauprojekte umzusetzen!

Cosuno: Viele Bauunternehmen, vor allem kleinere Betriebe, trauen sich gar nicht an Software-Lösungen ran. Woran denken Sie liegt das?

Beckmann: Vor allem kleine Betriebe sorgen sich darum, dass Software und Digitalisierung viel zu kompliziert sind, um nützlich zu sein und letztendlich mehr Schaden als Nutzen. Die Oberfläche ist sehr wichtig, also das die Software-Nutzer mit nur einem Klick ans Ziel kommen. Cosuno hat hierauf besonders viel Wert gelegt, damit die Software so benutzerfreundlich wie möglich und intuitiv nutzbar ist. 

Cosuno: Wohin geht die Reise? Wo wird Lindemann und wo werden Sie in 10 Jahren stehen?

Beckmann: Wir bei Lindemann möchten weiterhin – bei immer härter werdenden Wettbewerbsumfeld –  erfolgreich am Markt sein und durch Qualität und Zuverlässigkeit unsere Kunden überzeugen. Unser Slogan ist “Lindemann – Zukunft bauen” und unser Name ist Programm. Wir suchen immer wieder nach neuen und nachhaltigen Wegen und Aufgabenfeldern, um unsere Kunden von unseren Komplettleistungen als modernes Dienstleistungsunternehmen zu überzeugen. Und zu der Frage, wo ich mich persönlich in 10 Jahren sehe: Ich sehe mich auch noch in 10 Jahren bei Lindemann, wo ich dann hoffentlich immer noch mit meinen Kollegen und meinem Team die Klippen des Baualltags erfolgreich umschiffen darf!

Cosuno: Möchten Sie Ihren Kollegen und Mitstreitern der Baubranche noch etwas zum Thema Digitalisierung mitgeben?

Beckmann: Ich glaube an die fortschreitende Digitalisierung und bin der festen Überzeugung, dass wir alle gegenüber dieser Entwicklung offen sein sollten und mitwirken müssen. Es ist wichtig keine Angst davor zu haben, sondern eine Chance darin zu sehen. Diese Veränderungen sind positiv. Platt gesagt Stillstand bedeutet Rückschritt. Vor allem wir bei Lindemann, als eines der führenden deutschen Bauunternehmen, stehen in der Verantwortung diesen Wandel voranzutreiben. Das ist auch für mich der Antrieb. Das wir uns als Unternehmen immer weiter entwickeln und mit der Zeit gehen, um uns den Kundenwünschen anzupassen und uns weiterhin am Baumarkt behaupten zu können.