Interview-Reihe: Ausschreibung 4.0 Lindemann Gruppe Teil I

“Ausschreibung 4.0” ist eine Reihe von Interviews mit Experten aus der Baubranche zum Thema Einkauf und digitale Transformation und wie sich beides miteinander verbinden lässt, um höhere Rücklaufquoten, effiziente Ausschreibungsprozesse und zufriedene Nachunternehmer zu erreichen.

Hamy Albath - 10.09.2020

 

Heute geht es um die Lindemann Gruppe. Als führendes Bauunternehmen in Deutschland geht Lindemann mit dem Zeitgeist und setzt auf individuell zugeschnittene Lösungen mit dem Blick gerichtet auf Energieeffizienz und Komfort. Einer der leitenden Köpfe bei Lindemann ist Einkaufsleiter und Prokurist Dennis Beckmann. Im ersten Teil des Interviews reden wir mit ihm über seine Anfänge bei der Lindemann Gruppe, den Herausforderungen mittelständischer Bauunternehmen und warum er nach Möglichkeiten suchte, um den Ausschreibungs- und Vergabeprozess zu digitalisieren.

  • Dennis Beckmann

    Einkaufsleiter und Prokurist

Cosuno: Herr Beckmann, stellen Sie uns doch erst einmal kurz die Lindemann Gruppe mit Ihren Worten vor. Für die Menschen, die Ihr Unternehmen vielleicht nicht ganz so gut kennen.

Beckmann: Sehr gerne. Die Lindemann Gruppe ist ein mittelständisches inhabergeführtes Unternehmen mit langer Tradition. Seit 1912 bauen wir für zahlreiche Auftraggeber, Privatpersonen, Industriebetriebe und auch für öffentliche Institutionen. Wir sind mit rund 200 Mitarbeitern im Elbe-Weser-Dreieck tätig und bieten für unsere Kunden Roh- und Schlüsselfertigbau und komplette Projektentwicklung als Generalunternehmer an. Zusätzlich bieten wir eine eigene Fertigungslinie im Bereich Aluminium- und Kunststoffbau, Metallbauprodukte sowie Dienstleistungen für die Wartung und Sanierung bestehender Objekte. Bei Lindemann bündeln wir Ingenieur- und Bau Know-how für ganzheitliche Lösungen. 

Cosuno: Dann interessiert uns natürlich Ihre Person. Wie sind Sie zum Bau gekommen und wann haben Sie angefangen für Lindemann zu arbeiten?

Beckmann: Ich bin in einer Handwerkerfamilie groß geworden. Mein Vater war Zimmermeister und dadurch bedingt wurde mein Interesse an handwerklicher Arbeit schon sehr früh geweckt. Ich habe dann nach meinem Schulabschluss bei einem Bauunternehmen in Harburg eine Kaufmannsausbildung gemacht und bin im Jahr 2001 nach bestehen der Abschlussprüfung zu Lindemann gegangen. Was mich an der Lindemann Gruppe besonders gereizt hat war das mittelständische Denken und das inhabergeführte Unternehmen. Ich war – und bin immer noch – interessiert daran auf lange Sicht Verantwortung zu übernehmen und diese Möglichkeiten wurden mir bei Lindemann geboten. Seit knapp 20 Jahren verantworte ich jetzt nun schon die Einkaufsabteilung und wurde 2018 zum Prokuristen ernannt. 

Cosuno: Was finden Sie besonders spannend an der Baubranche und an Ihrem Job?

Beckmann: Für mich ist es ein bestimmtes Gefühl, das sich immer wieder einstellt, wenn ich durch meine Heimat fahre und die von Lindemann gebauten Gebäuden sehe. Ich finde es spannend, dass ich am Bau eines Gebäudes teilhaben kann und identifiziere mich mit jedem Gebäude und habe zu jedem Haus eine Geschichte parat, wie es gebaut wurde. 

Cosuno: Haben Sie für uns eine besondere Geschichte parat?

Beckmann: Wir haben 2012 unser 100-jähriges Jubiläum gefeiert und ein BauErlebnisHaus gebaut. Zum einen wollten wir damit unseren Kunden die Vielfältigkeit des Bauens ganz einfach und auch für Laien verständlich darstellen und zum anderen wollten wir Lindemann vorstellen, also wie wir bauen und unsere Kunden transparent von unseren Leistungen und unserer Qualität überzeugen. Diese Tatsache alleine macht das Gebäude schon zu etwas ganz besonderen für mich. Mein persönliches Highlight war allerdings, dass ich an der Materialbeschaffung und Bemusterung der Gegenstände mitwirken durfte. Für die Eingangshalle habe ich beispielsweise die Beleuchtung aussuchen dürfen. Eine 3.60 Meter große LED Lampe, damals die größte LED Lampe in Deutschland, die jetzt unter der Kuppel des Hauses hängt. Es macht mir immer wieder Freude diese Lampe zu sehen! 

Cosuno: Sie sind nun schon seit knapp 20 Jahren im Einkauf tätig. Wie haben sich die letzten Jahre verändert und was gab und gibt es für Herausforderungen in Ihrem Alltag?

Beckmann: Als ich 2001 zu Lindemann gegangen bin, habe ich ein Unternehmen vorgefunden, wo der Einkauf ausnahmslos analog durchgeführt wurde. Per Fax wurden Dokumente von A nach B geschickt, alles handschriftlich. Wir hatten bereits Computer, die wurden aber kaum benutzt. Ich bin frisch nach meiner Ausbildung dazugestoßen und wie das immer so ist will man als junger Mensch Veränderungen anstoßen. Auch ich habe damals mit meinen 25 Jahre älteren Kollegen und Vorgesetzten über Möglichkeiten diskutiert, wie man Prozesse im Einkauf effizienter gestalten kann. Für mich war schon damals klar, dass Prozesse automatisiert werden müssen, um ein Mehr an Ertrag und Angeboten für das Unternehmen zu erwirtschaften.

Ausschreibung und Vergabe digitalisieren

Cosuno: Was haben Sie dann getan?

Beckmann: Ich habe angefangen Excel Tabellen zu benutzen und immer wieder über Möglichkeiten nachgedacht, wie wir bei Lindemann über eine Plattform automatisiert Informationen austauschen können, statt einzelne E-Mails hin und her zu schicken. Mit diesen Ideen konnten einige meiner älteren Kollegen damals nicht viel anfangen. Für sie gehörte zum Einkauf gleichzeitig auch die Kommunikation mit allen Beteiligten und wenn diese Prozesse digitalisiert werden würden, dann würde das das persönliche Gespräch verhindern. Ich habe das ganze aus einer anderen Perspektive betrachtet und deshalb nach Partnern gesucht, mit denen ich zusammen an einer Lösung für den umständlichen Einkaufsprozess arbeiten konnte. Mein Problem war nur, dass es mir an der EDV-Affinität mangelt. Ich hatte die Ideen, die Erfahrungen und kenne die Probleme im Baualltag insbesondere im Einkauf von Fremdleistungen, aber um einen automatisierten Prozess umzusetzen fehlte mir das technische Know-how.

Cosuno: Und so kam eins zum anderen?

Beckmann: Genau. Vor zwei Jahren habe ich dann die drei Jungs von Cosuno kennengelernt. Sie wollten den Wandel in der Baubranche mitgestalten, kannten aber nicht genau die Zusammenhänge und Probleme der Baubranche. Dafür hatten sie ein enormes Wissen an technischen Know-how und konnten digitale Prozesse direkt umsetzen. Wir alten Hasen müssen den Wissenstransfer sicherstellen und die jungen Leute müssen den technischen Input liefern. So ist zumindest zwischen Lindemann und Cosuno die perfekte Symbiose entstanden.

 

Im zweiten Teil des Interviews können Sie nächste Woche lesen, welche Vorteile cloud-basierte Softwarelösungen wie Cosuno im Einkauf mit sich bringen, wo die Lindemann Gruppe in den nächsten 10 Jahren stehen wird und warum Digitalisierung und Innovation zum Teil der Bau-DNA werden muss.

Ausschreibung und Vergabe digitalisieren