Warum die Baubranche jetzt digitaler werden muss

Digitalisierung – keine Option, sondern eine Notwendigkeit

Jessy Reichardt - 17.02.2021

 

Was Sie in diesem Artikel lernen werden

  • Wie die Baubranche im Digitalisierungsindex abschneidet
  • Warum fehlende Digitalisierung ein Problem ist 
  • Die Chancen der Digitalisierung und Aussichten für 2021

Baubranche: Krisensicher und doch so unproduktiv 

Die Baubranche gilt vor allem seit Beginn der Pandemie als Stütze für die deutsche Wirtschaft. Das Baugewerbe konnte sich trotz aller Einschränkungen in der Krise behaupten, die preisbereinigte Bruttowertschöpfung nahm im Vorjahresvergleich sogar um 1,4 % zu (Statistisches Bundesamt, 2021). 

Trotz dieses vergleichsweise positiven Konjunkturverlaufs gegenüber anderen Branchen, hat die Bauwirtschaft im Bereich Arbeitsproduktivität noch einiges aufzuholen. Im Vergleich mit der durschnittlichen Produktivitätsentwicklung anderer Wirtschaftssektoren ist die Baubranche weit hinterher: 

Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigenstunde im Vergleich  (Veränderungen zum Vorjahr in Prozent)

Cosuno Infografik; Quelle: Statistisches Bundesamt

Nach einem kürzlich veröffentlichten Bericht der Deutschen Telekom zufolge stagniert die Produktivität auch 2020 weiterhin auf dem Vorjahresniveau. In der Entwicklung der Arbeitsproduktivität blieben also überproportional positive Veränderungen aus.  

Wirtschaftliche Stütze und in der Arbeitsproduktivität so unterdurchschnittlich: Wie kann das sein? 

Fehlende Digitalisierung als Hauptgrund 

Dem Statistischen Bundesamt zufolge kommen Untersuchungen für Deutschland zu dem Schluss, dass gerade im Baugewerbe vorhandene Digitalisierungspotenziale, wie beispielsweise die Bauwerksdatenmodellierung (Building Information Modeling) bislang kaum ausgeschöpft werden. Im Vergleich zu anderen Sektoren sind die Entwicklungen der Bauwirtschaft im Bereich Digitalisierung rückschrittlich und bilden im Branchenvergleich sogar das Schlusslicht. 

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Deutschen Telekom macht diesen Zustand deutlich. Wie schon in den vier Vorjahren, sollten die Unternehmen im Sommer 2020 ihre Digitalisierungsbemühungen und die Transformationsfortschritte auf den folgenden Handlungsfeldern bewerten: 

  • Beziehung zu Kunden 
  • Produktivität im Unternehmen 
  • Digitale Geschäftsmodelle 
  • IT-Sicherheit und Datenschutz 

Über 2.000 kleine und mittelständische Unternehmen nahmen an der Studie teil. Die Ergebnisse für die Baubranche sind im Branchenvergleich sehr unterdurchschnittlich. Der Digitalisierungsindex steigt gegenüber dem Vorjahr in allen Sektoren, außer im Baugewerbe. Die Baubranche liegt ganz klar auf dem letztem Platz. 

Digitalisierungsindex 2020 und 2021 im Branchenvergleich 

Cosuno Infografik; Quelle: Deutsche Telekom

Warum die fehlende Digitalisierung ein Problem ist 

Das Bewusstsein für den langfristigen Trend Digitalisierung und seine Vorteile scheint bei vielen Akteuren der Baubranche noch nicht angekommen zu sein. Auf der anderen Seite sind sich einige Bauunternehmen auch noch nicht im Klaren, welche Probleme eine fehlende Digitalisierung im Betrieb für Folgen haben kann. Wer die Digitalisierung schleifen lässt, wird langfristig auch ökonomische Erfolgsvariablen wie Wettbewerbsfähigkeit, Innovationsfähigkeit oder Arbeitsproduktivität ungewollt vernachlässigen. 

Dies wird auch dadurch deutlich, wie stark sich die Digital Leader in der Baubranche von den restlichen Bauunternehmen abheben. Die Top-Digitalisierer, die zehn Prozent der Unternehmen mit den höchsten Digitalisierungsgraden, sind nicht nur mit der Dauer ihrer Auftragsabwicklung und ihrem Umsatz zufriedener, sonder ebenfalls mit ihrer Reaktionsgeschwindigkeit auf Kundenanfragen und allgemeinen Neukundengewinnung. Restliche Bauunternehmen, die nicht zu den Spitzenreitern der Digitalisierung zählen, sind in diesen Bereichen deutlich unzufriedener. 

Zufriedenheit der befragten Bauunternehmen  (Angaben in Prozent)

Cosuno Infografik; Quelle: Deutsche Telekom

Digitalisierungschub durch Corona 

Die Baubranche hängt weiterhin im Vergleich mit anderen Branchen in der Digitalisierung weit hinterher. Nichtsdestotrotz hatte das letzte Jahr durch die globale Pandemie vor allem positive Auswirkungen auf den Digitalisierungsgrad der Baubranche. Ein branchenübergreifender Wandel hat sich vor allem im Bereich Homeoffice vollzogen. Vor allem administrative und planungstechnische Aufgaben lassen sich abseits der Baustelle erledigen.

Wie viele Betriebe Homeoffice einsetzen (Angaben in Prozent)

 Cosuno Infografik; Quelle: Deutsche Telekom

Die Arbeit von zuhause war für viele Unternehmen im Jahr 2019 noch schwer vorstellbar oder sogar undenkbar. Im Rahmen der Krisen haben jedoch über die Hälfte der befragten Bauunternehmen die Möglichkeit zum Homeoffice eingeführt. Fast die Hälfte der Bauunternehmen haben ihr Geschäftsmodell, ihre Produkte und Services kurzfristig angepasst. Dabei digitalisieren über ein Drittel der Bauunternehmen betriebsinterne Prozesse während der Pandemie. Die vier digitalen Tools, die während der Pandemie am meisten Zuwachs bekamen, sind: 

  • Digitale Bautagebücher 
  • Digitale Auftragsvergabe, welche zum Beispiel Cosuno abdeckt 
  • Digitale Projektplatformen 
  • Digitales Baustellenmanagement 

Der Digitalisierungsschub sollte auch weiterhin nicht nachlassen, um die Baubranche im Digitalisierungvergleich mit anderen Branchen nicht ganz so rückschrittlich dastehen zu lassen. 

Prognosen 2021: Wie geht es weiter im Bereich Digitalisierung?

Der Deutschen Telekom zufolge plant ein Drittel der Bauunternehmen, ihr Geschäftsmodell zukünftig noch stärker als bisher auf digitale Dienste, Services und Tools auszurichten und die Digitalisierung ihrer Unternehmensprozesse auszubauen. 

Die Mehrheit der Baubetriebe gab bei der Studie an, dass sie trotz Corona weiter in Digitalisierungsvorhaben investieren will. So wollen 71 Prozent an ihren Investitionsplänen unverändert festhalten. Weitere 18 Prozent der Baubetriebe planen noch mehr Geld in die Digitalisierung zu stecken – im Schnitt wollen sie 18 Prozent mehr ausgeben als bisher geplant. Laut einer PwC-Studie sehen 86 % der Befragten großes Potenzial in Cloud-Technologien, wozu auch Cosuno gehört. Allerdings sind nur 43 % der Bauunternehmen und 60 % der Planer nach eigenen Angaben in diesem Bereich gut aufgestellt. 

Fazit 

Die Baubranche muss sich im Bereich Digitalisierung definitiv besser aufstellen, um rückschrittliche Arbeitsproduktivität im Vergleich mit anderen Branchen wieder aufzuholen. Eine fehlende Digitalisierung schlägt sich langfristig negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit nieder und Unternehmen verpassen außerdem die vielen Chancen und Vorteile, die eine digitale Transformation mit sich bringt. Digital Leader verbuchen mehr Umsatz, eine kürzere Auftragsabwicklung sowie eine schnellere Kundenabwicklung und bessere Neukundengewinnung.

Corona hat der Baubranche einen digitalen Schub versetzt, doch dieser darf nun nicht nachlassen. Cloud-Technologien gelten als eine der großen Trends in den kommenden Jahren und sollten von Bauunternhemen nicht vernachlässigt werden. Werden Sie jetzt digitaler und automatisieren Sie Ihren Ausschreibungs- und Vergabeprozess. 

Ausschreibungsprozesse digitalisieren