Die Baubranche als wirtschaftliche Stütze in der Corona-Pandemie

Ein Update zur Lage der Baubranche während Covid-19

Jessy Reichardt - 27.01.2021

 

Nachdem wir im Juni 2020 schon einmal einen Artikel über die Lage der Bauwirtschaft in der Pandemie verfasst haben, möchten wir hiermit ein Update über die jetzige Situation und neuesten Entwicklungen geben. 

Überblick  

  • Die derzeitige Lage während Covid-19
  • Auswirkungen auf das BIP 
  • Baubranche als weiterhin wachsender Wirtschaftssektor 
  • Ausblick 2021
  • Die Bedeutung der Digitalisierung

Die Corona-Pandemie hat die gesamte Weltwirtschaft nicht nur unvorbereitet getroffen, sondern ist auch deutlich länger ein Thema, als es viele erwartet haben. Seit rund einem dreiviertel Jahr muss die weltweite Bevölkerung mit zum Teil erheblichen Freiheitseinschränkungen leben. Die Corona-Maßnahmen wirken sich weiterhin auf die gesamte Weltwirtschaft aus. Bis zu dem jetzigen Zeitpunkt gab es allein in Deutschland über zwei Millionen registrierte Fälle, weltweit sprechen wir von 95 Millionen Infizierten (Stand: 18.01.2021).

Leider ist trotz anfänglicher Prognosen im Frühling 2020 noch kein Ende in Sicht: Zwar startete vor ein paar Wochen nun auch in Deutschland der Impfmarathon, doch eine Rückkehr zum ursprünglichen Normalzustand wird wohl auch in den nächsten Monaten nicht eintreten. Die Auswirkungen des Virus werden auch im Jahre 2021 für die gesamte Wirtschaft weiterhin zu spüren sein. In unserem letzten Artikel stellten wir verschiedene Wirtschaftsprognosen gegenüber. Die OECD ging im Juni letzten Jahres von mehreren möglichen Szenarien aus und prognostizierte für 2020 im besten Falle ein Wachstum des deutschen BIP von 0.3 %, im zweiten Szenario eine leichte Rezession von 0.3 %.

Wirtschaft bricht um rund 5 % ein

Je nach Institution gehen die aktuellen Konjunkturprognosen für die deutsche Wirtschaft 2020 von einer deutlich stärkeren Rezession von rund  5,0 % aus. 

Die folgende Infografik zeigt die Entwicklung des preisbereinigten, deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2008-2020: 

Cosuno Infografik – Quelle: Statistisches Bundesamt

Die deutsche Wirtschaft wurde im Corona-Krisenjahr 2020 schwer getroffen. Der Zusammenbruch des BIP ist somit auf einem ähnlichen Tief wie bei der Finanzkrise 2008 / 2009. Die beiden Krisen können zwar in Bezug auf das BIP der deutschen Wirtschaft verglichen werden, jedoch ist eine Gegenüberstellung der beiden Krisen bezüglich ihrer Ursachen schwierig. Während die damalige Finanzkrise durch die zu häufige Vergabe von Krediten und das Platzen der Immobilienblase ausgelöst wurde, entstand die aktuelle Krise durch die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus, beispielsweise Kontaktbeschränkungen oder die Schließung von Einzelhandel. 

Nichtsdestotrotz ist der Abfall des BIP auf einem vergleichbaren Wert und die meisten Branchen hatten mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen. Die Baubranche ist von der Pandemie vergleichsweise wenig betroffen und stellt besonders in dieser Zeit eine wichtige Säule der deutschen Wirtschaft dar. 

Gute Nachrichten im Bausektor

Das folgende Diagramm stellt die Bruttowertschöpfung (preisbereinigt) nach Wirtschaftsbereichen 2020 in Deutschland dar und zeigt Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %: 

Cosuno Infografik; Quelle: Statistisches Bundesamt

Die Coronakrise traf die Industrie und den Dienstleistungssektor besonders hart. Das Baugewerbe wiederum konnte sich trotz aller Einschränkungen in der Krise behaupten: Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung nahm im Vorjahresvergleich sogar um 1,4 % zu. Der Abteilungsleiter Konjunkturpolitik des DIW Dr. Claus Michelsen zählt die Baubranche damit “zu den wesentlichen Stützen der Konjunktur in Deutschland”. 

Trotzdem gab es in den verschiedenen Sektoren der Bauwirtschaft konjunkturelle Unterschiede. Dem ZDB zufolge werde speziell im Wohnungsbau ein Wachstum von 4 % für 2020 erwartet, circa 300.000 sollen im letzten Jahr fertig gestellt worden sein. Außerdem wird im öffentlichen Bau ein Plus von 3 % prognostiziert. Eine solche Umsatzsteigerung gab es aber nicht in jedem Bereich der Baubranche: Der Wirtschaftsbau hat die Auswirkungen der Pandemie schon deutlich mehr zu spüren bekommen. So bleibe der Umsatz nominal auf dem Wert des Vorjahresniveaus bei gut 49 Mrd. Euro; real bedeutet das allerdings einen Rückgang von ca. 2,5 %. 

Ebenfalls Einschränkungen in der Baubranche

Die Baubranche ist vor allem durch die hohen Auftragsbestände am Jahresanfang so glimpflich durch die Krise gekommen. Bauunternehmen konnten ihr Auftragspolster nutzen, um weiterhin Umsätze zu verbuchen. Die Umsatzeinbrüche von Industrie und Dienstleistung hätten dem ZDB zufolge zu einer geringeren Investitionsbereitschaft geführt. Umsatzrückgang kamen in der gesamten Bauwirtschaft auch durch vereinzelte Stilllegung von Baustellen, partiellem Ausfall ausländischer Fachkräfte, durch Grenzschließungen oder fehlende Materiallieferungen und Auftragsstornierungen zustande.

Nichtsdestotrotz hat sich Covid-19 nur auf vergleichsweise wenige Akteure der Baubranche stark ausgewirkt. Aus einer PwC-Umfrage mit 100 Bauunternehmen, Projektsteuerungen und Planern geht hervor, dass 80 % der befragten Bauunternehmen kaum oder gar nicht von Covid-19 betroffen seien. Hier spiegelt sich natürlich auch die hohe Auftragslage im ersten Halbjahr wieder. Jedoch ist hervorzuheben, dass Planer und Projektsteuerer deutlich häufiger die Auswirkungen von Covid-19 zu spüren bekommen haben, jeder dritte beklagt sich über negative Folgen durch die Pandemie. Rebekka Berbner, Partnerin bei PwC Deutschland im Bereich Capital Projects & Infrastructure, erklärt diese Umfragewerte damit, dass die planende Seite meistens früher von einer Krise betroffenen sei, als die ausführende. Trotzdem ist Berbner in Bezug auf die Bauwirtschaft 2021 zuversichtlich und glaubt, dass die Branche die Pandemie gut überstehen werde.

Ausblick 2021

Trotz einiger positiver Stimmen ist es im Moment sehr schwer abzuschätzen, wie sich die Bauwirtschaft im Jahre 2021 wirklich entwickeln wird. 

Als Präsident des ZDB erwartet Rainer Quast 2021 einen Umsatzrückgang von 1 %, nachdem die Bauwirtschaft 2020 mit einem knappen Umsatzplus von 2 % abschließen werde. Trotzdem sieht er die Perspektive für das neue Jahr insgesamt aufwärtsgerichtet. Auch 2021 werden voraussichtlich wieder 300.000 Wohnungen errichtet und die Umsatzentwicklung wird real auf dem Niveau des Vorjahres bleiben. Quast plädiert außerdem auf eine Fortsetzung des Baukindergeldes und den Maßnahmen zu Sonderabschreibungen im Mietwohnungsbau, welche positive Auswirkungen auf die Nachfrage haben würden. Im Wirtschaftsbau liegen die Prognosen bei einem Rückgang von nominal 2,5 – 3,5 %. In Hinblick auf die Beschäftigungsquoten soll weiterhin mehr Personal eingestellt und ausgebildet werden. Nach einer Unternehmensbefragung des ZDB zufolge wollen 20 % der Befragten die Zahl der Beschäftigten erhöhen. Die Baubranche gilt nach Quast auch weiterhin als Ausbildungsmotor. 

Durch die gemeinsame Pressemitteilung des ZDB, HDB und IG wird deutlich, dass die drei Tarifvertragsparteien viele Maßnahmen treffen, um die Baubranche auch 2021 weiterhin zu unterstützen. Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) will im Rahmen ihrer Präventionsarbeit FFP2-Masken zur Verfügung stellen und direkt 1 Million Stück bestellen. Durch die derzeitige kalte Jahreszeit finden saisonbedingt mehr Sanierungen und Innenausbau statt und die Ansteckungsgefahr wird somit durch die Arbeit in geschlossenen Räumen erhöht. Auch die Kälte und die Mutation des Virus regen dazu an, weitere Schutzmaßnahmen zu treffen. Der Arbeitsmedizinische Dienst der BG BAU wie auch die Betriebsärzte sollen außerdem verstärkt regelmäßige Corona-Tests in der Baubranche durchführen. Des Weiteren bietet die BG BAU Medien und Plakate in mehreren Sprachen zum Mund-Nasen-Schutz, zur richtigen Desinfektion, Handlungshilfen zur Baustellenhygiene und vieles mehr kostenlos auf ihrer Webseite an. Diese Informationskampagne soll um den Aspekt des verstärkten Testens wie auch um eine Werbung für das Impfen ergänzt werden. Durch diese Präventionsmaßnahmen sollen weiterhin Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit weitestgehend verhindert und sogar weitere Arbeitsplätze geschaffen werden.

Digitalisierung wichtiger als je zuvor 

Um Arbeitsplätze für neue Auszubildende attraktiv zu gestalten, muss die Baubranche auch 2021 noch große Schritte in Richtung digitale Zukunft gehen. Die oben genannte PwC-Umfrage zeigt zwar, dass die Digitalisierung immenses Potential bietet, um die anstehenden Infrastrukturprojekte erfolgreich zu meistern, häufig fehlt in den Bauunternehmen jedoch das nötige Know-How. 

In der folgenden Grafik wird die Relevanz von digitalen Themen mit der Einschätzung ihres Know-Hows von Bauunternehmen und Planern verglichen.

Cosuno Infografik; Quelle: PwC

  • Um die Digitalisierung in ihrem Unternehmen auszubauen, wollen 72 % der Bauunternehmen und 60 % der befragten Planer in den nächsten fünf Jahren mehr Geld in die Hand nehmen. 
  • 62 % aller Befragten halten das Digitale Planen, welches ab 2021 bei der Planung aller öffentlichen Bundesprojekte verpflichtend wird, für eine immense Chance. Aber nur 27 % der Planer und nur 16 % der Bauunternehmen verfügen über das nötige Fachwissen im digitalen Bereich.
  • Zwar sehen 72 % aller Befragten Themen wie Virtual reality, Simulation und Visualisierungen als Chance, doch nur 21 % der Bauunternehmen und 27 % der Planer schätzen ihre Fähigkeiten in diesem Bereich als gut ein. 
  • 86 % der Befragten sehen großes Potenzial in Cloud-Technologien, wozu auch Cosuno gehört, als großes Potential. Allerdings sind nur 43 % der Bauunternehmen und 60 % der Planer nach eigenen Angaben in diesem Bereich gut aufgestellt. 

Es lässt sich also zusammenfassen, dass das Thema Digitalisierung in den meisten Köpfen der Baubranche angekommen ist und viele Bauunternehmer und Planer Investitionsbereitschaft zeigen. Nichtsdestotrotz fehlt es immer noch an vielen Stellen an dem wirklichen Fachwissen zu digitalen Themen und Tools. Deshalb ist es essentiell, allen Mitarbeitern der Baubranche spezifisches Wissen nahezubringen. Um die Digitalisierung in den verschiedenen Sektoren der Baubranche weiter voran zu bringen, werden vor allem solche Maßnahmen benötigt, die einen aktiven Wissenstransfer unter lernbereiten Mitarbeitern und mit Experten möglich machen. Spezielle Mentoring-Programme, die auf „Buddy-Systemen“ aufbauen und mehr gegenseitige Unterstützung und Feedback ermöglichen, können ein erster Ansatz sein. Insgesamt kann man als einen der wenigen positiven Auswirkungen feststellen, dass das Thema Digitalisierung Corona-bedingt nicht nur in der Baubranche einen neuen Aufschwung bekommen hat. 

Durch Investitionen im Bereich Digitalisierung erhoffen sich die Befragten der PwC-Umfrage Verbesserungen wie zum Beispiel eine einfachere Zusammenarbeit und Kommunikation, kürzere Planungs- und Bauzeiten und effizientere Arbeitsabläufe. Knapp jeder Zweite rechnet mit einer Reduktion der Kosten. Im Bereich Ausschreibungs- und Vergabemanagement bietet Ihnen unsere cloudbasierte Softwarelösung Cosuno genau diese genannten Vorteile. Vereinfachen Sie die Kommunikation mit Ihren Nachunternehmern und kontaktieren Sie diese mit nur einem Klick. Gestalten Sie ab sofort Ihre Arbeitsabläufe mit einem übersichtlichen Preisspiegel und intelligenten Bescheinigungsmanagement endlich effizient.

Wie schätzen Sie den Stand der Digitalisierung Ihres Unternehmens ein? Melden Sie sich bei uns und wir erörtern gemeinsam mit Ihnen die Digitalisierungspotentiale Ihres Nachunternehmermanagements! 

Ausschreibung und Vergabe digitalisieren