Prognose für die Bauwirtschaft 2021

Das erwartet die Baubranche 2021 und die Jahre danach

Jessy Reichardt - 29.06.2021
Oberste Ecke eines Hochhauses, dahinter zwei Kraene und blauer Himmel mit Wolken

Überblick 

  • Corona und die Baubranche 2020 
  • Q1 2021: Leichter Umsatzrückgang im Bauhauptgewerbe 
  • Müssen die Prognosen für die Baukonjunktur 2021 korrigiert werden?
  • Bauwirtschaft 2022: Wie entwickelt sich das Baugewerbe?
  • Fazit

Corona und die Baubranche 2020  

Entgegen vieler Erwartungen ist die Baubranche 2020 gut durch das Jahr der Pandemie gekommen und hat sogar einen neuen Umsatzrekord erzielt. Mitte letzten Jahres erlebten zahlreiche Bauunternehmen Umsatzrückgänge durch Corona in der gesamten Baubranche. Laut Statistischem Bundesamt wuchsen die Erlöse im Jahr 2020 um 6,6 Prozent auf einen neuen Höchststand von 98,3 Milliarden Euro. Auch die preisbereinigte Bruttowertschöpfung nahm 2020 im Vergleich zu 2019 um 2,8 Prozent zu. Damit zählte die Baubranche 2020 zu den Stützen der Konjunktur 2020 in Deutschland.

Prognosen zur Bauwirtschaft 2021 behaupten, dass dieses Jahr wohl nicht das erfolgreichste werden wird, denn wirtschaftlichen Unsicherheiten, steigende Materialpreisen, Rohstoffknappheit und Lieferengpässen sind weiterhin auf dem Vormarsch.

Q1 2021: Leichter Umsatzrückgang im Bauhauptgewerbe 

Laut Statistischem Bundesamt ist der Umsatz im Bauhauptgewerbe im März 2021 gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,4% leicht zurückgegangen. Im gesamten ersten Quartal liegen die Umsätze der Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten im Bauhauptgewerbe bei 16,4 Milliarden Euro und somit 9,4 % unter dem Vorjahresniveau. Das ist zu einem großen Teil auf die Mehrwertsteuersätze zurückzuführen, die zum 1. Januar wieder angehobenen wurden.

Vergleich Umsatz und Beschäftigte im Bauhauptgewerbe im März 2021 gegenüber dem Vorjahr in %

Grafik, welches den Umsatz und die Beschäftigten im Bauhauptgewerbe im März 2021 gegenüber dem Vorjahr in Prozent vergleicht

Cosuno Infografik; Quelle: Statistisches Bundesamt

„Auch im März haben die Umsätze im Wirtschaftsbau mit ca. 3,1 Milliarden Euro (-5,0%) und öffentlichen Bau mit ca. 2,3 Milliarden Euro (-2,0%) nicht das Vorjahresniveau erreicht. Im Wohnungsbau sehen wir mit ca. 2,0 Milliarden Euro ein schmales Plus von 0,7%.“

Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB)

Zum Thema Fachkräfte teilt das Statistische Bundesamt außerdem mit, dass im 1. Quartal 2021 im Bauhauptgewerbe 1,5% mehr Beschäftigte tätig waren, als im Vorjah­res­zeit­raum. Im Bereich “Baugenehmigungen für Wohnungen” entstand  im April 2021 (saison- und kalenderbereinigt) ein Rückgang von 22,9 % zum Vormonat. Allerdings war der März auch ein äußerst starker Monat, es bleibt also abzuwarten, wie sich die Situation entwickelt und welche Einflüsse die Materialengpässe haben werden.

Müssen die Prognosen für die Bauwirtschaft 2021 korrigiert werden?

Das ifo Institut hat seine Prognose für die Baukonjunktur 2021 jetzt um 0,4 Prozentpunkte heruntergesetzt. Statt um 3,7 % soll das Deutsche Bruttoinlandsprodukt nur um 3,3 % steigen. Das Wirtschaftsforschungsinstitut reagierte damit als erste auf die akuten Probleme in der Lieferkette, verursacht durch Materialpreissteigerungen und Rohstoffknappheit, die für die Baubranche 2020 noch nicht in diesem Ausmaß absehbar waren.

Im weiteren Verlauf diesen Jahres könnten auch größere Umsatzeinbußen auf das Baugewerbe zukommen und eine Delle in der Baukonjunktur 2021 erzeugen. Seit Anfang des Jahres haben sich die Materialpreise vor allem von Holz, Kupfer und Dämmstoffen erhöht, Lieferengpässe, steigende Baukosten und Materialknappheit sind die Folge. Auch Baustellenstopps im Sommer werden befürchtet.

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Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie vertritt folgende Prognose für das Baugewerbe 2021: nominale Stagnation. Das würde einen realen Rückgang von 2% gegenüber dem Umsatz von 2020 bedeuten. Im Moment bleibt der Verband bei seiner Aussage, doch Peter Hübner, Präsident vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, schließt zukünftige Anpassungen nicht aus.

„Sollten sich die Versorgungsprobleme mit Baumaterial nicht zügig lösen lassen, werden wir die Prognose überdenken müssen. “

Peter Hübner, Präsident vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie

Auch die Strategieberatung EY Parthenon schlussfolgert in ihrer Hochbauprognose für die Bauwirtschaft 2021 ähnliche Konsequenzen und geht von einer Stagnation des Wachstums durch steigende Materialpreise und Lieferengpässe aus. In den kommenden 2 Jahren werden die Prognosen zur Bauindustrie allerdings wieder optimistischer.

Bauwirtschaft 2022: Wie entwickelt sich das Baugewerbe?  

EY erwartet im Hochbau im Jahr 2022 ein reales Umsatzwachstum von 1,4% und 2023 von 1,5%. Die vergleichsweise hohen Wachstumsraten der vergangenen Jahre, die seit 2016 zwischen 2,5% und 4,5% lagen, werden wohl trotzdem vorerst nicht erreicht werden. Das Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin) prognostiziert in seiner aktuellen Bauvolumenrechnung für 2021 ein Plus von nominal knapp drei Prozent und für 2022 von gut fünf Prozent.

Prognose der Bauvolumenrechnung des Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V. im Vergleich zum Vorjahr in Prozent (2016-2022)

Prognose der Bauvolumenrechnung des Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V. im Vergleich zum Vorjahr in Prozent (2016-2022)

Cosuno Infografik; Quelle: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.

Diese beiden Quellen prognostizieren einen grundsätzlich geringeres Wachstum im Gegensatz zur Vorkrisenzeit, doch gehen von keinem Umsatzrückgang aus. 

Fazit

Die Baubranche 2020 ist im Gegensatz zu vielen anderen Branchen gut durch die Krise gekommen und wird in den nächsten Jahren voraussichtlich weitere Umsatzsteigerungen verzeichnen, wenn auch nicht so hohe wie vor der Krise. Die Prognosen für die Bauwirtschaft 2021 sind immer noch positiv gestimmt. Trotzdem sind viele Akteure der Bauindustrie besorgt: Derzeit steigen die Materialpreise immens und es kommt zu Lieferengpässen, die zu Baustellenstillstand und Umsatzrückgängen führen kann. Eventuell müssen somit Prognosen für die Baukonjunktur korrigiert werden. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Branche 2021 weiter entwickelt. Wir halten Sie auf dem Laufenden. 

 

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